Musterring lüneburg

Auch wenn es sich bei einem Tattoo allenfalls um ein „Permanent-Make-up“ handelt, zeigt der Fall doch, dass auch Kunst im Gesicht einen Urheberrechtsschutz für sich beanspruchen kann. Dr. Jonas Kahl, LL.M. ist Rechtsanwalt bei Spirit Legal und im Bereich gewerblicher Rechtsschutz tätig, er ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Zwar hat diese Entscheidung keine unmittelbaren Auswirkungen auf die urheberrechtliche Einordnung von Visagisten, dennoch hat das Bundessozialgericht in seinen Ausführungen mit klaren Worten deutlich gemacht, dass auch der Visagist und der Stylist als Kreative/Künstler betrachtet werden können, „weil sie das Gelingen des Kunstwerks durch ihre Arbeit entscheidend mitgestalten“. Dass der Beruf eines Visagisten grundsätzlich ein kreativer und künstlerischer Beruf ist, hat übrigens auch das Bundessozialgericht in einem Urteil festgestellt, bei dem es darum ging, ob Visagisten Mitglied der Künstlersozialversicherung werden dürfen. Daher liegt es im Interesse aller Beteiligten von Anfang an auch mit solchen Akteuren eine Nutzungsrechtsvereinbarung zu schließen – auch wenn diese vielleicht nicht auf den ersten Blick als Miturheber des Werkes erscheinen, wie das eben bei Visagisten beispielsweise der Fall ist. Aber allein durch eine solche Vereinbarung kann die notwendige Rechtssicherheit hergestellt werden, um im Nachhinein nicht unerwartet mit Ansprüchen konfrontiert zu werden oder ein Foto nicht verwerten zu können. Schließlich dient es aber auch den Visagisten selbst auf eine umfassende Nutzungsrechtsvereinbarung hinzuweisen, da sie dadurch nicht nur als Dienstleister, sondern tatsächlich als Miturheber wahrgenommen werden und dies ihre kreative Tätigkeit im Entstehungsprozess eines Fotos aufwertet. Bei der Nutzung von urheberrechtlich geschützten Fotos sollte daher mit höchster Sensibilität darauf geachtet werden, wer am Entstehungsprozess des Werkes beteiligt war und wer als Miturheber eines Werkes infrage kommt. Artikel erschienen am 13.10.2016 von Dr.

Jonas Kahl, LL.M. Voraussetzung, dass auch andere Akteure als der Fotograf als Miturheber gelten können, ist, dass sie ebenfalls einen schöpferischen Beitrag während Entstehung des Bildes beitragen und dabei nicht ausschließlich auf Anweisung – beispielsweise des Fotografen – handeln. Doch wie verhält es sich beispielsweise mit Visagisten? Können auch sie Miturheber eines Fotos werden? Aus der Modelbranche hört man immer wieder, dass Visagisten zu entsprechenden Shootings zwar hinzugebucht werden und dies auch vertraglich geregelt wird, selten aber werden Vereinbarungen mit den Visagisten getroffen, die auch die etwaigen Urheberrechtsansprüche an den Stylings regeln. Welche juristischen Probleme „Gesichtskunst“ bereiten kann, hat vor einigen Jahren in den USA die Produktionsfirma des Filmes „Hangover II“ erfahren müssen. Gegenstand des Prozesses gegen Warner Bros. war ein Tattoo im Gesicht von Ex-Boxer Mike Tysen, einem der Protagonisten des Films. Und jenes Tattoo war nicht nur Bestandteil der filmischen Handlung, sondern wurde eben auch zu Marketingmaßnahmen verwendet.